Der gestiefelte Kater von Ludwig Tieck – Berichte, Kommentare und Szenenfotos aus dem Spiel der 12. Klasse am 23., 24. und 25. November 2007.
Der gestiefelte Kater?, „Aber das ist doch ein Kindermärchen, oder?“, „Sind wir dafür nicht zu alt?“ – diese und viele andere Fragen stellen sich die in diesem Stück mitspielenden und mit dem Gang der Handlung zunehmend verunsicherter reagierenden Zuschauer, die die Aufführung mit ihren Kommentaren begleiten.
Denn es ist ein Stück im Stück. Und das macht gerade den Reiz des „Gestiefelten Katers“ aus. Die Schauspieler fallen regelmäßig aus ihrer Rolle, vergessen ihren Text oder beschweren sich sogar beim Publikum, dass sie eine zu kleine Rolle bekommen hätten, die außerdem noch schlecht geschrieben sei. Und die Zuschauer beschweren sich immer wieder über fehlende logische Zusammenhänge, dass z.B. der König seinem Charakter gar nicht treu bleibe.
Die Handlung des Stückes ist schnell erklärt: Der arme, in seinen Fähigkeiten beschränkte, Gottlieb ist von seinen beiden Brüdern gemein betrogen worden: Sie nahmen sich das wertvolle Erbe und überließen Gottlieb nur einen Kater. Doch gerade der erweist sich als sein größter Glücksfall, denn mit seiner Schläue und seinem Geschick verhilft er seinem geliebten Gottlieb zu Thron und Prinzessin.
Neben dieser Grimm’schen Märchengeschichte verleiht der Autor des Stückes, Ludwig Tieck, dem Ganzen eine besondere, eigene Note. Das Publikum wird immer wieder mit eingebunden und auch der fiktive Autor selbst tritt häufiger hervor, um sein Stück zu entschuldigen – oder er ruft seinen Besänftiger, der die Massen mit allen Mitteln zur Ruhe bringen soll.
Von Kaninchen, einem zerstreuten König, einem Hanswurst, der sich mit dem Hofgelehrten über den Sinn des von ihnen gespielten Stückes streitet, einer verhätschelten Prinzessin bis hin zu Husaren und Nashörnern wird in dieser vielschichtigen Komödie alles geboten, was Zuschauerherzen begehren.